Schizophrenie

Information für Betroffene und Angehörige

 

Die Schizophrenie stellt eine Gruppe von Krankheiten des Gehirns dar, die sich durch ihre typischen Erscheinungsformen von anderen psychiatrischen Krankheiten unterscheiden lassen. Organische Erkrankungen des Gehirns, die ähnliche Krankheitserscheinungen hervorrufen können, müssen natürlich vorher ausgeschlossen sein.

Schizophrenie ist auf der ganzen Welt, in allen Kulturen und sozialen Schichten etwa gleichmäßig verbreitet. Ihre Ursache ist bisher noch nicht sicher geklärt, liegt jedoch in einer Funktionsstörung des Gehirns. Vermutlich gibt es verschiedene Ursachen, die für diese Funktionsstörung verantwortlich sein können und die z.T. erblich bedingt sind.

Die Symptome können bei jedem einzelnen Patienten recht unterschiedlich aussehen. Schizophreniekranke führen oft ein ganz normales Leben bis zum Ausbruch der Krankheit mit den üblichen unterschiedlichen Ausprägungsgraden von Intelligenz und Talenten. Erst beim Auftreten der typischen Symptome kann dann durch den Arzt meist die richtige Diagnose gestellt werden. Nach Abklingen der Akutsymptome bleibt oft eine, den Patienten und seine Angehörigen erheblich behindernde Restsymptomatik zurück. Die ist so uncharakteristisch, dass sich zu diesem Zeitpunkt eine sichere Diagnose auf Grund der Symptome nicht verlässlich stellen lässt.

Eine von 100 Personen erkrankt im Laufe des Lebens an einer der Schizophrenie. Männer und Frauen sind etwa in gleicher Häufigkeit betroffen. Berücksichtigt man zusätzlich die Auswirkung der Krankheit auf Verwandte und Bekannte des Patienten, dann beeinträchtigt die Schizophrenie damit die Lebensqualität von ungefähr 5% der Bevölkerung. Bei drei von vier Schizophreniekranken beginnt die Krankheit im Alter zwischen 16 und 25 Jahren, in einem für die persönliche Entwicklung außerordentlich wichtigen Zeitraum. Das macht verständlich, warum die psychosozialen Auswirkungen der Schizophrenie so erheblich sind. Der Aufwand für Wiedereingliederung, Arbeitsausfall und Renten sowie die Belastung durch Leistungsverlust, Arbeitsplatzverlust, Isolation des Betroffenen und die Beeinträchtigung der Angehörigen sind sehr hoch.

Symptome der Schizophrenie

Es gibt sehr viele, sehr unterschiedliche Symptome der Schizophrenie. Diese können sich dann bei ein und demselben Patienten auch immer wieder ändern. Am Anfang erschwert diese Veränderlichkeit oft die Diagnose und die Beurteilung der Behandlungsbedürftigkeit.

Veränderung des Verhaltens und der Gefühle

Oft fällt zunächst auf, dass sich der Patient zunehmend häufiger zurückzieht. Dazu kommt sehr häufig Schlaflosigkeit und Unruhe. Oft scheinen auch die Gefühlsäußerungen verändert. Er kann abnorm reizbar, depressiv, oder aber überaktiv sein, ohne viel zu leisten. Oft fällt auch extrem situationsunangepasstes Verhalten des Patienten wie unmotivierte Geldausgaben, Vernachlässigung der Körperpflege auf. Manchmal erscheint das Gefühlsleben insgesamt verarmt und starr, im Gespräch nicht zu beeinflussen. Aggressionsausbrüche sind oft nicht nachvollziehbar.

Störung des Denkens

- formal: Das Denken kann unklar bis zur Verworrenheit sein. Es kann langsam oder sprunghaft sein. Die logischen Zusammenhänge können fehlen, die Gedanken können plötzlich abreißen. Im Extremfall kommt es zu einem völligen Zerfall der Sprache.

- inhaltlich: Der Patient hat wahnhafte Ideen an denen er unverrückbar festhält und von denen er mit Argumenten nicht abzubringen ist. Er kann sich verfolgt fühlen, kann aber auch das Gefühl haben, etwas ganz besonderes darzustellen. Er kann schwerste Schuldgefühle ohne jeden nachvollziehbaren Grund haben. Oft besteht ein grundlegendes Misstrauen gegen alle anderen Menschen verbunden mit völliger Unzugänglichkeit.

Halluzinationen

Der Patient gibt an unerklärliche Geräusche zu hören oder auch Stimmen, die ihm Befehle erteilen, miteinander über ihn reden, seine Handlungen mit Kommentaren begleiten oder ihn beschimpfen. Manchmal nimmt er Gerüche wie z. B. Gasgeruch war, die ihm Angst machen. Seltener gibt er auch an, etwas zu sehen, das in Wirklichkeit nicht vorhanden ist. Diese Halluzinationen können beim Patienten die unterschiedlichsten Gefühle auslösen. Der Patient versucht oft zunächst, diese Halluzinationen geheim zu hatten.

Fremdbeeinflussungserlebnisse

Viele Patienten haben in der akuten Erkrankung das Gefühl, in ihren Handlungen von anderen Menschen gesteuert oder beeinflusst zu werden. Diese Erlebnisse werden dann oft irgendwelchen technischen Einrichtungen zugeschrieben, mit deren Hilfe man sie angeblich zu steuern versucht. Auch das Gefühl, die eigenen Gedanken könnten von allen anderen Menschen gelesen und beeinflusst werden, oder sie selbst könnten die Gedanken anderer Menschen lesen und beeinflussen, wird von vielen Patienten in für sie bedrohlicher Weise erlebt.

Fehlen der Krankheitseinsicht

Viele Patienten haben keinerlei Krankheitsgefühl. Sie lehnen jede Hilfe ab und verweigern die notwendige Behandlung, da sie sich für vollkommen gesund halten. Dies führt oft zu schwierigen Situationen und Auseinandersetzungen zwischen den Patienten und ihren Angehörigen. In einer solchen Situation macht das dann oft eine Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus gegen den Willen des Patienten mit Hilfe des Notarztes und manchmal sogar der Polizei notwendig.

Häufige Frühwarnzeichen

Es gibt typische Frühwarnzeichen einer schizophrenen Erkrankung. Viele Patienten bieten vor einer neuen Krankheitsphase immer wieder die gleichen Frühwarnzeichen. Deren Kenntnis ist also für den einzelnen Patienten und seine Angehörigen sehr wichtig um so bald wie möglich zum Arzt zu gehen, wenn diese Anzeichen einer erneuten Erkrankung auftreten:

Konzentrations- und Denkschwierigkeiten – Schlafstörungen – Depressive Verstimmung – Interessenverlust – Anspannung – Nervosität – Geräusch und Lärmempfindlichkeit – Gereiztheit – Unbestimmte Ängste.

Eine Liste der individuellen Frühwarnzeichen sollte in Zusammenarbeit mit einem, an der Behandlung des Patienten beteiligten Therapeuten für jeden Patienten erstellt werden.

Verlauf der Krankheit

Die Schizophrenie verläuft bei jedem Patienten verschieden. Viele Patienten brauchen aufgrund ihrer Erkrankung zeitweise intensive Hilfe auch bei alltäglich erforderlichen Tätigkeiten. Sie haben Schwierigkeiten, ihre Arbeitsfähigkeit ganz oder teilweise zu erhalten und ein einigermaßen selbständiges Leben zu führen. Sie sind dann oft auch auf betreute Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten angewiesen. Angehörige und Freunde sind meist ihre wichtigsten Bezugspersonen.

Die Stärke der Symptome nimmt mit zunehmendem Alter des Patienten manchmal ab. Auch wenn sich im Verlaufe der Krankheit eine Stabilisierung des Krankheitsbildes einstellt, darf dies über die bleibende soziale Behinderung nicht hinwegtäuschen. Meistens sind nicht die Krankheitsschübe das größte Problem der Patienten, sondern die bei vielen Erkrankten bleibende Invalidisierung durch soziale Unselbständigkeit und Kontaktarmut.

Dank früher Diagnosestellung, besserer Behandlung und Wiedereingliederungsmöglichkeiten hat die Schizophrenie heute eine günstigere Prognose als noch vor 30-40 Jahren. Nach neueren Untersuchungen kann man davon ausgehen, dass etwa 20% aller erstmals Erkrankten nur einmal in ihrem Leben eine solche Erkrankung mitmachen und dann vollständig gesunden. Etwa 40% aller Kranken erholen sich zwischen den Krankheitsschüben soweit, dass sie ihre Selbständigkeit behalten und krankheitsbedingt nur mäßige Leistungseinbußen hinnehmen müssen. Der Rest der Erkrankungen verläuft mit dauerhaften erheblichen Einbußen der Leistungsfähigkeit, die eine langfristige Unterstützung des Patienten in vielen Lebensbereichen in unterschiedlichem Ausmaß erforderlich macht. Der Verlauf der Krankheit hängt darüber hinaus ganz entscheidend davon ab, ob eine regelmäßige und zuverlässige Behandlung durchgeführt wird. 50-60% der Patienten können die meiste Zeit ohne Krankenhausbehandlung leben.

Schizophrenieunterformen

Man unterscheidet zur genaueren Beschreibung des jeweiligen Krankheitsbildes verschiedene Typen von Schizophrenien aufgrund der jeweils vorherrschenden Art der Symptome. Die wichtigsten entsprechend der Einordnung nach dem ICD-10 Klassifikationssystem sind hier kurz beschrieben. Es kommen aber auch Mischformen der verschiedenen Typen bei dem einen oder anderen Patienten vor.

Paranoider Typ: Hauptsymptome sind Verfolgungsideen, Halluzinationen, Wahn, Angst.

Hebephrener Typ: Er ist gekennzeichnet durch Konzentrationsschwäche und Störungen des Denkens, auffällig desorganisiertes Verhalten, hypochondrische Beschwerden, Gefühlsindifferenz und nur gelegentlich Halluzinationen und Verfolgungswahn.

Katatoner Typ: Hier beherrscht vor allem eine Störung der Psychomotorik das Krankheitsbild. Der Kranke verharrt entweder in Bewegungslosigkeit und reagiert nicht auf Versuche, ihn aus der Bewegungsstarre zu lösen oder er zeigt ungerichtete körperliche Überaktivität bis hin zu unkontrollierten massiven Unruhezuständen.

Schizophrenes Residuum: Nach ein oder zwei akuten Krankheitsepisoden stehen der soziale Rückzug, der Antriebsverlust, ein exzentrisches Verhalten, verschrobenes Denken und Verarmung von Denken, Sprache und Gefühlen im Vordergrund.

Undifferenzierter Typ: Eine akute Psychose, in der keine der vorher Beschriebenen Merkmale eindeutig vorherrschen.

Schizoaffektive Form: Eine Form, bei der neben den vorher beschriebenen Symptomen zusätzlich eine Affektstörung entweder in Form einer manischen Antriebssteigerung oder einer depressiven Verstimmung eine wegweisende Rolle spielt.

Ursachen der Schizophrenie

Die Ursachen der Schizophrenie sind bis heute nicht sicher geklärt. Wahrscheinlich liegt bei einem wesentlichen Anteil der Schizophrenien eine genetisch gesteuerte Entwicklungsstörung des Gehirns zugrunde, die wir in ihren Einzelheiten derzeit noch nicht ganz verstehen. Wichtig ist die Erkenntnis, dass die Krankheit nicht durch ein Fehlverhalten des Patienten und dessen Angehörigen verursacht wird. Auch Schädigungen, denen das Gehirn unmittelbar vor, während oder nach der Geburt ausgesetzt sein kann, können wahrscheinlich für eine spätere Erkrankung an einer schizophrenen Psychose mitverantwortlich sein. Verschiedenste andere Erkrankungen des Gehirns, aber auch Drogen wie Amphetamin, LSD und Cannabis können schizophrenieähnliche Symptome erzeugen oder verschlimmern.

Die Wahrscheinlichkeit, im Verlauf des Lebens an einer Schizophrenie zu erkranken, liegt bei etwa 1%. Damit ist die Schizophrenie eine Krankheit, die in ihrer Häufigkeit z.B. etwa der Zuckerkrankheit vergleichbar ist. Auf Grund der Familien- und Zwillingsforschung besteht kein Zweifel an einer komplex vererbten Krankheitsveranlagung. Es fanden sich folgende Zusammenhänge:

  • Wenn ein Elternteil oder ein Geschwister erkrankt ist, beträgt das Erkrankungsrisiko für die übrigen Geschwister 10 bis 13%.

  • Wenn beide Eltern erkrankt sind, beträgt das Erkrankungsrisiko für die Kinder ca. 40%.

  • Wenn ein zweieiiger Zwilling erkrankt ist, beträgt das Erkrankungsrisiko für den anderen Zwilling 10 bis 20%.

  • Wenn ein eineiiger Zwilling erkrankt ist, beträgt das Erkrankungsrisiko für den anderen Zwilling 40 bis 60%,

  • Wenn eine Tante, ein Onkel, Neffe oder eine Nichte erkrankt ist, beträgt das Erkrankungsrisiko ca. 3%.

Letztendlich sind wahrscheinlich eine Vielzahl verschiedener Faktoren dafür verantwortlich, dass bei entsprechend erblich belasteten Patienten eine Schizophrenie zum Ausbruch kommt. Unter anderem z.B. auch eine Häufung belastender Lebensereignisse. Diese können den Ausbruch der Erkrankung begünstigen, wenn eine entsprechende biologische Vorschädigung die Disposition oder "Vulnerabilität" für den Ausbruch der Krankheit bewirkt.

Medikamente

Wichtigste Maßnahme, um die akuten psychotischen Symptome, unter denen der Patient schwer leidet, zu beeinflussen, ist die medikamentöse Behandlung. Richtig und regelmäßig eingesetzte Medikamente unter geeigneter fachkundiger Betreuung helfen dem Patienten und damit auch seinem Angehörigen mit der Krankheit besser fertig zu werden. Eine möglichst umfassende Information des Patienten, seiner Familie und Kontaktpersonen, über Krankheit, Medikamente und den richtigen Umgang mit ihnen kann die Notwendigkeit zur Krankenhausein-weisung seltener auftreten lassen und die Dauer eines Klinikaufenthaltes verkürzen. Für die Behandlung der Schizophrenie im Akutfall und zur weiteren Vorbeugung werden verschiedene Arten von Medikamenten eingesetzt. Die Neuroleptika helfen, dass Denken und Wahrnehmung wieder geordnet ablaufen können und Halluzinationen in den Hintergrund treten. Es werden klassische und atypische Neuroleptika unterschieden:

Die Klassischen Neuroleptika werden nach ihrer neuroleptischen Potenz oder Wirkstärke unterschieden. Sie können in unterschiedlicher Weise Haupt- und Begleiterscheinungen der schizophrenen Erkrankung beeinflussen. Hochpotente Neuroleptika wirken bereits in relativ geringer Dosierung vor allem gegen die sogenannten produktiven (positiven) Symptome wie Halluzinationen, Störungen des Denkablaufs, Fremdbeeinflussungsgefühle und Wahnvorstellungen. Mittelpotente Neuroleptika erfordern entsprechend eine höhere Dosierung, sie haben vor allem auch eine dämpfende Wirkung und helfen daher gut bei innerer Unruhe und Schlafstörungen.

Treten unter den klassischen Neuroleptika Nebenwirkungen auf, die von den Patienten nicht vertragen werden, oder zeigen diese nach ausreichend langer Gabe keine Wirkung, wird sich der behandelnde Arzt dazu entschließen, eines der atypischen Neuroleptika zu geben. Das Spektrum der Wirkungen und Nebenwirkungen ist bei diesen Medikamenten anders gelegen. Oft kann eine solche Medikamentenumstellung einem Patienten, der unter Behandlung mit den klassischen Neuroleptika nicht symptomfrei wurde, doch noch von seinen Krankheitserscheinungen befreien. Zu den atypischen Neuroleptika zählen unter anderem Risperidon (Risperdal®, Olanzapin, (Zyprexa®), Pimozid (Orap®), Zotepin (Nipolept®), oder Sulpirid (Dogmatil®). Vor allem das Medikament Clozapin (Leponex®)kann vielen Patienten, denen klassische Neuroleptika auch über eine lange Zeit genommen keine Besserung gebracht haben, noch einen sehr guten Therapieeffekt bringen.

Zum Beginn der Behandlung oder wenn Begleitsymptome, wie z.B. Schlaflosigkeit es erforderlich machen, aber auch, wenn Behandlung mit einem Neuroleptikum alleine nicht anspricht, wird man zu einer Therapie mit Kombinationen greifen.

Begleitend werden oft in der akuten Phase der Erkrankung zusätzlich Tranquilizer gegeben. Sie wirken zum einen beruhigend, zum anderen angstmildernd. Wegen einer möglichen Gefahr der Suchtentwicklung werden diese Medikamente meist nur über kurze. Zeiträume in der Klinik gegeben und nur unter sorgfältiger ärztlicher Kontrolle.

Die Kombinationsbehandlung richtet sich Übrigen nach den jeweiligen Begleitsymptomen. Wenn z.B. neben den psychotischen Symptomen eine ausgeprägte depressive Verstimmung besteht, kann die Kombination eines Neuroleptikums mit einer antidepressiven Medikation unter Umständen helfen. Die Kombination mit Lithium, Carbamazepin oder Valproinsäure wird versucht, wenn die Erkrankung regelmäßig mit ausgeprägten Schwankungen der Stimmungslage (depressiv oder manisch) einhergeht, die Diagnose einer schizoaffektiven Psychose gestellt wird, oder wenn das Neuroleptikum alleine keine ausreichende Wirksamkeit zeigt.

Zu der in den meisten Fällen über lange Zeit erforderlichen Weiterbehandlung nach dem Abklingen der akuten Krankheit können manche Neuroleptika auch in Depotform, z.B. als intramuskuläre Spritze, die in regelmäßigen Zeitabständen (zwischen einer und vier Wochen) erforderlich ist, gegeben werden.

Nach dem aktuellen Stand unserer medizinischen Erkenntnis wird heute schon nach einer erstmaligen Erkrankung an einer schizophrenen Psychose zu einer längerfristigen medikamentösen Prophylaxe geraten. Eine Behandlung mit Neuroleptika in ausreichend wirksamer Dosierung ist bei einer erstmaligen Erkrankung für wenigstens ein bis zwei Jahre weiterzuführen. Bei einem erneuten Auftreten einer schizophrenen Erkrankung sollte eine Rückfallprophylaxe für wenigstens fünf Jahre durchgeführt werden. Bei chronischem Krankheitsverlauf mit bleibenden Symptomen der Erkrankung oder schweren und häufigen Rückfällen ist eine lebenslange Vorbeugungsbehandlung mit Neuroleptika angezeigt.

Nebenwirkungen

Fortschritte bei der Entwicklung von Medikamenten zielen vor allem auch auf eine Reduktion der Nebenwirkungen ab, damit die Patienten eher bereit sein werden, die Medikamente regelmäßig zu verwenden. Viele umfangreiche Untersuchungen belegen, dass die konsequente, vernünftige medikamentöse Behandlung mit Neuroleptika die Zahl der Rückfälle mit Krankenhauseinweisung erheblich verringert. Zu den Nebenwirkungen der Neuroleptika gehören unter anderem z.B. die Frühdyskinesien. Das sind auffallende Bewegungsstörungen, die vor allem bei Behandlung mit hochpotenten klassischen Neuroleptika auftreten können. Diese Nebenwirkungen, Verkrampfung von Zungen- und Schlundmuskulatur und krampfhafte Blickwendungen nach oben, sind für den Patienten außerordentlich unangenehm, lassen sich aber durch Gabe entsprechender Zusatzmedikamente wie Biperiden (Akineton) schnell und zuverlässig behandeln. Sie wirken für Patient und Angehörige recht dramatisch, sind jedoch praktisch nie wirklich bedrohlich.

Das medikamentöse Parkinsonsyndrom mit Bewegungseinschränkung, Steifigkeit einem kleinschrittigen Gang, Zittern und starren Gesichtszügen bessert sich ebenfalls auf Biperiden. Die Akathisie, eine quälende Bewegungsunruhe vor allem in den Beinen erfordert oft Reduktion der Medikamentendosis. Hilfreich können hier Gaben von sogenannten ß-Blockern z. B. Propranolol (Dociton®), von Tranquilizern oder von Amitryptilin (z.B. Saroten®) einem Antidepressivum sein. Meist ist aber Umsetzen auf ein atypisches Neuroleptikum letztendlich erforderlich.

Da in seltenen Fällen Neuroleptika auch Veränderungen des Blutbildes und Leberzellschäden bewirken können, ist eine regelmäßige Kontrolle der Blutwerte vor allem am Anfang der Behandlung in zeitlich kürzeren Abständen nötig, da die Patienten von dieser Art von Nebenwirkungen selber zunächst nichts merken. Solche Nebenwirkungen sind vor allem bei Clozapin (Leponex®) zu beachten. Hier schreibt die Herstellerfirma dem verordnenden Arzt regelmäßige wöchentliche Blutabnahmen zur Kontrolle des Blutbildes für 18 Wochen nach der Neueinstellung und danach monatliche Untersuchungen vor, um diese Nebenwirkungen rechtzeitig zu erkennen.

Spätdyskinesien sind Bewegungsstörungen beispielsweise im Bereich von Mund und Zunge aber auch des ganzen Körpers, die gewöhnlich erst nach langdauernder hochdosierter Behandlung mit klassischen Neuroleptika auftreten. Rechnet man auch mäßige und schwere Formen solcher Spätdyskinesien zusammen, so treten sie bei etwa 20% der Patienten auf. Diese Spätdyskinesien machen die Umstellung die Umstellung auf ein atypisches Neuroleptikum erforderlich. Unter günstigen Umständen sind sie dann manchmal zum Verschwinden zu bringen, auf alle Fälle nehmen sie aber meist in ihrer Ausprägung ab.

Einflüsse auf die Hormonregulation können bei Frauen zu Zyklusstörungen und Abnahme des sexuellen Verlangens führen, bei Männern zu Potenzstörungen. Auch hier hilft oft eine Anpassung der Dosis des Medikaments.Die für einen Patienten in ihrer Art und Dosis geeignetste Medikation zu finden, kann manchmal viel Zeit und Geduld beanspruchen.

Psychotherapie

Begleitend zur medikamentösen Behandlung ist es wichtig, den Patienten weitere therapeutische Angebote zu machen. In der Klinik, aber später dann auch ambulant, kann eine psychotherapeutische Behandlung sinnvoll sein. So haben sich z.B. die verhaltenstherapeutisch orientierten Verfahren als hilfreich für die Wiedereingliederung des Patienten in den Alltag außerhalb der Klinik erwiesen. Die Einbeziehung der Angehörigen im Rahmen von psychoedukativen Gesprächen zur Krankheit und zu den Behandlungsmaßnahmen z.B. in Angehörigengruppen sind ebenfalls wichtige therapeutische Hilfen. Sie können vor allem auch dazu beitragen, erneute Erkrankungen des Patienten möglichst frühzeitig zu erkennen und mit der Behandlung durch Medikamente darauf zu reagieren.

Bei den tiefenpsychologisch orientierten Verfahren kann die Behandlung einzeln oder in der Gruppe erfolgen. In der individuellen Psychotherapie steht die zwischenmenschliche Beziehung im Vordergrund. Die primäre therapeutische Aufgabe besteht darin, mit dem kranken Menschen in Kontakt zu treten. Im psychotherapeutischen Setting wird der Rahmen geschaffen, in dem der Kranke im Angesicht der therapeutischen Person sein eigenes, verborgenes Ich finden kann.

In der tiefenpsychologisch orientierten Gruppentherapie kann der Patient in der Gruppe lernen, wie es anderen geht und eigene Ziele formulieren, z.B. Erkennen der Frühzeichen von Krankheitssymptomen, Entwicklung von Handlungsstrategien und verbesserter Umgang mit der eigenen belasteten Lebensgeschichte und Verletzbarkeit.

Krankenhausbehandlung, Nachbetreuung, Wiedereingliederung, Selbsthilfe

Im akuten Krankheitsschub muss der Patient häufig zur Abklärung der Diagnose und Einstellung auf die geeigneten Medikamente im Krankenhaus behandelt werden. Die stationäre Behandlung schützt ihn zudem vor Selbstgefährdung und gibt den Angehörigen die vorübergehende notwendige Entlastung. Eine Gefährdung anderer steht nur selten im Vordergrund. Nach Abklingen des Krankheitsschubes soll der Patient durch ein vielseitiges Angebot von verschiedensten Therapien in der Klinik zur Wiedereingliederung und zum Leben außerhalb des Krankenhauses vorbereitet werden. Vor allem, wenn es für den Patienten nötig ist, seine Wohn- und ggf. auch Arbeitssituation neu zu ordnen, ist ein längerer stationärer Aufenthalt oft dringend erforderlich.

Die Nachbetreuung mit für den Patienten angemessenen Wohn- und Arbeitsmöglichkeiten sollte auf alle Fälle vor der Entlassung sicher gestellt sein. Eine regelmäßige ärztliche Behandlung in Zusammenarbeit mit den Angehörigen ist unerlässlich, damit z.B. die Medikamenteneinnahme auch ambulant richtig durchgeführt wird und der Patient die oft weiter erforderliche Hilfe erhält. Vor allem, wenn der Patient die erforderlichen ärztlichen Kontrollen nicht zuverlässig in eigener Verantwortung wahrnehmen kann, ist eine ausreichende Betreuung durch Angehörige und Einrichtungen, wie z.B. die sozialpsychiatrischen Dienste sehr wichtig.

Familientherapie für schizophrene Patienten bedeutet vor allem Hilfe, Beratung und Information, damit die Angehörigen den bestmöglichen Umgang mit dem erkrankten Patienten lernen können. In Angehörigengruppen unterstützen sich Betroffene auch gegenseitig. Die Angehörigen sind seit der vermehrt ambulant möglichen Betreuung zu einer zentralen Stütze der Patienten und zu einer der wichtigsten Hilfen für die Behandelnden geworden. Deswegen ist eine intensive Zusammenarbeit zwischen Patient, Angehörigen und behandelnden Ärzten von großer Wichtigkeit.

Wenn ein Mitglied der Familie an Schizophrenie erkrankt, wird das normale Familienleben schwer beeinträchtigt. Die Erkrankung wirkt meistens auch auf alle anderen Familienmitglieder sehr belastend. Es gibt kaum eine andere Krankheit, bei der es so schwierig ist, den richtigen Umgang mit den Betroffenen zu finden. Die Erkrankung eines Familienmitgliedes kann innerhalb der Familie oft Furcht, Scham, Schuldgefühle, Isolation und Niedergeschlagenheit erzeugen. Die Krankheit wird zunächst oft negiert oder bagatellisiert. Später kommt es auch vor, dass die Familienmitglieder von nichts anderem mehr sprechen als von der Krankheit. Es kann zu massiven Auseinandersetzungen innerhalb der Familie kommen. Häufig schwanken die Gefühle dem Erkrankten gegenüber zwischen Liebe und Sorge einerseits und Wut, Hass und Ablehnung andrerseits, vor allem dann, wenn sein krankheitsbedingtes Verhalten aggressiv ist. Die Angehörigen fürchten sich oft vor den auffälligen akuten Symptomen der Krankheit wie aggressives Verhalten, Wahnideen und Halluzinationen. Negative Symptome wie Abkapselung, Stummheit, Gleichgültigkeit, Inaktivität, Interesselosigkeit, Langsamkeit, Vernachlässigung der Körperpflege werden oft nicht als Krankheitssymptome erkannt. Die Patienten werden dann fälschlicherweise als faul und rücksichtslos angesehen. Die Schizophrenie eines Familienangehörigen führt auch häufig zu beträchtlichen finanziellen Problemen.

Ablösungsversuche der Patienten scheitern allzu oft daran, dass der Schizophreniekranke den Anforderungen des täglichen Lebens nicht gewachsen ist. Er braucht dann Unterstützung in Form betreuten Wohnens, therapeutischer Wohngemeinschaften, tagklinischer Betreuung oder beschützter Arbeitsplätze. Bei besonders ungünstigern Verlauf der Erkrankung kann es sogar sein, das der Patient nur in einem geeigneten Heim ausreichende Aufsicht und Versorgung findet.

Vom Umgang mit der Krankheit

Der Leidensdruck für Patient und Familie kann gelindert werden, wenn die Krankheit frühzeitig diagnostiziert und von Anfang an konsequent behandelt wird.

Der Patient muss die Diagnose kennen. Der Patient selbst soll dazu motiviert werden, seine Beobachtungen über die erlebten Symptome, die Art und Dosis der Medikamente und ihre Wirkung und Nebenwirkungen mitzuteilen.

Für die ärztliche Betreuung des Patienten ist ein Arzt nötig, zu dem möglichst sowohl der Patient als auch seine Angehörigen Vertrauen haben. Ist der Patient mit der Weitergabe von Informationen über seine Krankheit an die Angehörigen einverstanden, sollten diese beim Arzt genaue Informationen über die Behandlung und Betreuung verlangen und alle Aspekte der Erkrankung mit ihm besprechen.

Nach der Klinikentlassung müssen die Betreuenden darauf achten, dass der Patient zur Kontrolle zum Arzt geht und die Medikamente regelmäßig einnimmt. Wirkung und Nebenwirkung sollten registriert werden. Eine große Schwierigkeit bei der Betreuung von Schizophreniekranken außerhalb der Klinik besteht darin, dass sich der Patient häufig weigert, regelmäßige ärztliche Hilfe in Anspruch zu nehmen. Es kann unter Umständen schwierig sein, für ihn einen Arzt zu finden, in den er Vertrauen hat. Er ist gegen die Ärzte oft überkritisch eingestellt und bereit, einen Arzt sofort zu wechseln, wenn ihm etwas missfällt.

Wenn eines der Frühsymptome beim Patienten von einem Familienmitglied beobachtet wird, soll so schnell wie möglich der Rat eines Psychiaters eingeholt werden. Informationen der Angehörigen für den Arzt sind dabei von größter Bedeutung, damit er sich ein Bild über die aktuelle Situation machen kann.

Viele Schizophreniekranke brauchen eine verlässliche, stabile Bezugsperson, die feste Grenzen für ein akzeptables Verhalten setzt. Manchmal akzeptiert der Patient einen Rat eher von einem Geschwister oder Familienfreund als von den Eltern. Für die Angehörigen ist es sehr wichtig, darauf zu achten, das sie Freundschaften und Interessen ausreichend bewahren und ihr Privatleben pflegen, so weit dies möglich ist. Die Wahrscheinlichkeit für die Angehörigen, ebenfalls zu erkranken, ist klein, wie schon in dem Kapitel über den Krankheitsverlauf gezeigt wurde. Kontakte mit Angehörigen anderer Erkrankter mit ähnlichen Problemen hilft oft, die Last besser und zuversichtlicher tragen zu können. Angehörigenvereinigungen bieten Informationen über alle vorhandenen Institutionen in Ihrer Umgebung.

Patient und Familie müssen realistische Vorstellungen über die Leistungsfähigkeit des Patienten haben. Nur wenige Schizophreniekranke sind nach der ersten Erkrankung wieder so belastbar wie früher. Es sollten von Freunden und Verwandten keine unrealistischen Erwartungen an den Patienten gestellt werden. Andererseits ist eine Unterforderung ebenfalls zu vermeiden. Bei der Rehabilitation sind immer nur den Möglichkeiten des Patienten angemessene und erreichbare Ziele zu setzen. Heftige Diskussionen sind zu vermeiden. Ständige Kritik wirkt negativ, echtes Lob auch für bescheidene Leistungen weckt und stärkt das verlorene Selbstvertrauen. Die Unabhängigkeit des Patienten kann nur allmählich wieder erarbeitet werden. Die Wiederaufnahme von sozialen Kontakten sollte gefördert werden.

Um eine Überforderung des Patienten vor allem nach der Klinikentlassung zu vermeiden, hilft ein klar geordneter Tagesablauf mit Rückzugsmöglichkeiten des Patienten die Anfangsschwierigkeiten zu erleichtern. „Aufregungen" sind auf ein Mindestmaß zu reduzieren. Die für den betreffenden Patienten belastenden Situationen müssen herausgefunden und vermieden werden. Es sollte ein Gleichgewicht zwischen Anregung und Schutz vor Überforderung gefunden werden.

Vor der Klinikentlassung sollten sowohl die Nachbehandlung als auch die Wohn- und Arbeitsverhältnisse klar sein.

Zur rechtlichen Lage

Die Unterbringung des Betreuten in einem Krankenhaus kann natürlich freiwillig sein, sie kann aber auch bei Vorliegen der gesetzlichen Voraussetzungen entweder nach dem Bayerischen Unterbringungsgesetz oder auf Antrag des Betreuers nach § 1906 BGB beim Vormundschaftsgericht erfolgen. Auch ohne eine solche Genehmigung kann eine Unterbringung erfolgen, wenn durch die Wartezeit bis zur gerichtlichen Genehmigung der Patient gefährdet wäre.

Schlusswort

Das größte Problem für den Patienten, der wegen Schizophrenie behandelt werden musste, besteht darin, dass er beim Versuch, wieder ein normales Leben zu führen, oft auf Ablehnung stößt. Er hat häufig Schwierigkeiten, Freunde, Wohnung und Arbeit zu finden. Frühere Freunde und Arbeitskollegen ziehen sich zurück. Der Patient fühlt sich isoliert. Ein Grund dafür ist oft die Furcht vieler Laien vor Schizophreniekranken. Diese Furcht ist grundlos. Die meisten Patienten sind eher zurückgezogen ängstlich und kontaktscheu. Gewalttätigkeit ist die Ausnahme. Vor allem eine mangelhaft und schlecht informierte Öffentlichkeit trägt hier viel zu Fehleinschätzung und Fehlverhalten gegenüber den Patienten bei.

Dies ist eine gekürzte Fassung einer von Dr. Dr. Hütz, Oberarzt am Bezirkskrankenhaus Haar, herausgegebenen Information für Betroffene und Angehörige.

Wenn Sie weitere medizinische Fragen haben, wenn Sie sich bitte an den Stations- oder Hausarzt.

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