Alzheimer
Information für Betroffene und Angehörige
Wo ist die Fernbedienung geblieben, die ich eben noch in der
Hand hatte? Warum bin ich gerade in die Küche gegangen? Was wollte ich
eigentlich sagen? Wie heißt denn gleich der Showmaster von „Wetten dass"?
Kennen Sie nicht auch solche Situationen, in denen einem das
richtige Wort auf der Zunge liegt, die Antwort aber einfach nicht einfallen
will? Wenn sich die Erinnerungslücken häufen, befürchten Sie vielleicht, die
Alzheimer-Krankheit zu bekommen. Wenn jeder, der ab und zu etwas vergisst, die
Alzheimer-Krankheit hätte, gäbe es fast nur noch kranke Menschen. Vergessen
gehört ebenso zum Leben wie Erinnern. Das Gehirn löscht vieles aus dem
Speicher, um Raum für neue Informationen zu schaffen.
Beim Altern lassen die Körperfunktionen jedoch nach. Nicht
nur die Handmuskelkraft halbiert sich zwischen dem 30. und dem 75. Lebensjahr.
Senioren haben auch nur noch etwa zwei Drittel der Nervenfasern und nur noch ein
Drittel der Geschmacksknospen der Jungen. Hörvermögen und Sehkraft lassen
nach, und auch das Gedächtnis bekommt Lücken.
Dennoch ist es möglich, den normalen Alterungsprozess von
einer Alterskrankheit zu unterscheiden. Im frühen Stadium des Leidens treten
meist noch keine Störungen auf, auch wenn sich das Gehirn schon zu verändern
beginnt. Erst nach dieser „klinisch stummen" Phase, die zwanzig Jahre
dauern kann, machen sich deutliche Leistungsdefizite und Veränderungen in den
mitmenschlichen Beziehungen bemerkbar. Wenn sich Gedächtnisleistung,
Konzentrations- und Reaktionsfähigkeit zunehmend verschlechtern, könnte dies
auf eine Demenzerkrankung, so der medizinische Fachbegriff, hindeuten.
Das Wort Demenz leitet sich vom lateinischen "Dementia"
ab, was so viel wie "Unvernunft" bedeutet. Mit einfachen,
standardisierten Tests kann der Arzt überprüfen, ob es sich um einen
krankhaften Prozess oder um eine normale Alterung handelt. Für die Diagnose ist
sehr wesentlich, wie gut der Patient seinen Alltag noch bewältigt. Aus diesem
Grund sind nicht nur die Untersuchungen des Arztes wichtig, sondern ebenso die
Beobachtungen der Angehörigen.
Andere Demenzformen
Zusätzliche Sicherheit, um welche Art von Demenzerkrankung
es sich handelt, geben spezielle Aufnahmen des Gehirns sowie
Laboruntersu-chungen. Anhaltspunkte für die Unterscheidung ähnlicher
Krankheitsbilder ergeben sich auch aus dem Verlauf der Symptome. Mit etwa drei
von vier Fällen ist die Alzheimer-Krankheit die häufigste Ursache des
geistigen Abbaus. Eine andere Ursache sind beispielsweise verengte Gefäße, die
das Gehirn zu wenig mit Blut versorgen. Schwindel und Schlaganfälle können
auftreten. Die Vorbeugung einer Demenz ist in diesem Fall allerdings durch
Behandlung der gefäßschädigenden Risikofaktoren möglich.
Die meisten der auf rund fünfzig verschiedenen Ursachen
beruhenden Demenzformen sind nicht heilbar. Obwohl dies auch für die
Alzheimer-Krankheit zutrifft, gibt es doch seit einigen Jahren wichtige
Fortschritte bei der Behandlung. Neu entwickelte Medikamente errichten Barrieren
gegen die Verschlimmerung der Krankheitssymptome. Zusätzliche Jahre mit mehr
Lebensqualität lassen sich so gewinnen. Störungen von Konzentration und
Gedächtnis können auf Depressionen zurückgehen. Die Abgrenzung von der
Alzheimer-Krankheit ist wichtig, da diese Erkrankungen auch im Alter durch eine
medikamentöse Therapie gut behandelbar sind.
Welche Riskogruppen gibt es?
Hauptrisiko für die Alzheimer-Krankheit ist das Alter.
Das Schicksal der Alzheimer-Krank-heit trifft viele Millionen Menschen auf der
ganzen Welt. Je höher das Alter, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dem
schleichenden Gedächtnisverlust anheim zu fallen.
Über 95 Prozent der Erkrankungen beginnen nach dem
Rentenalter. Etwa drei Prozent der 65- bis 74-jährigen und über ein Drittel
der über 85 Jahre alten Menschen sind betroffen.
In Deutschland gibt es Expertenschätzungen zufolge rund eine
Million Alzheimer-Kranke. Da die Zahl alter Menschen aufgrund steigender
Lebenserwartung ständig zunimmt, rechnet man bis zum Jahr 2030 mit bereits etwa
zwei Millionen Erkrankten.
Sind Frauen häufiger betroffen als Männer?
Frauen erreichen ein um einige Jahre höheres
durchschnittliches Lebensalter als Männer. Deshalb gibt es mehr ältere Frauen
als Männer unter den Alzheimer-Kranken. Erwähnenswert ist allerdings die
Beobachtung, dass ein bei älteren Frauen nach der Menopause häufig
auftretender Östrogenmangel ein Risikofaktor für Alzheimer-Krankheit zu sein
scheint. Östrogene sind u.a. für Reparaturvorgänge in Zellen und Zellwänden
von Bedeutung.
Wie entsteht die Alzheimer-Krankheit?
Zwar sind die Ursachen des Leidens bis heute - mehr als 90
Jahre nach der ersten Fallbeschreibung durch den Nervenarzt Alois Alzheimer
(1864 bis 1915) - weitgehend ungeklärt. Erwiesen ist jedoch, dass sich in
bestimmten Regionen des Gehirns schädliche Eiweißmoleküle in Plaques
ablagern.
Die Nervenzellen in unmittelbarer Nachbarschaft dieser
Plaques sind degeneriert. Im Zellinnern finden sich Bündel von „NeurofibrilIen".
Dabei handelt es sich um wirr verknäulte Eiweißstränge. Diese bestehen
hauptsächlich aus dem Tau-Protein. Dieses Protein garantiert die Stabilität
von Transportstrukturen, über die Substanzen innerhalb der Zelle zu den
Synapsen, das sind Kontaktstellen zwischen den Nervenzellen, transportiert
werden. Wenn das Tau-Protein seine Aufgabe nicht mehr erfüllt, zerfallen die
winzigen Hohlfasern, der Stofftransport zu den Synapsen ist unterbrochen.
Der Stoffwechsel der betroffenen Zellen gerät aus den Fugen.
Sie können nicht mehr genügend Substanzen produzieren, um die eintreffenden
Informationen korrekt an die Nachbarzellen weiterzuleiten. Die so genannten
Botenstoffe haben etwa die Funktion, die das „Fräulein vom Amt" hatte,
als es noch kein Selbstwähltelefon gab.
Die chemischen Substanzen greifen die elektrischen Impulse
auf, die zwischen den Zellen ausgetauscht werden, und leiten sie auf chemischem
Weg weiter. Dies stellt sicher, dass das „Telefongespräch" den richtigen
Teilnehmer erreicht. Dank der Arbeit der Botenstoffe erreichen die elektrischen
Impulse in richtiger Stärke die für Empfang und Weiterleitung vorgesehene
Stelle der Nachbarzelle. Ohne die Arbeit der Botenstoffe würden die Impulse
falsch oder gar nicht ankommen. Eine besonders wichtige Rolle bei der
Signalübertragung zwischen den Zellen spielt Acetylcholin. Die stark
eingeschränkte Produktion dieses für die Denkleistung sehr wichtigen
Botenstoffes verschärft die Krise im Gehirn.
Unzählige „Leitungen", die die Kommunikation zwischen
den Nervenzellen gewährleisten, werden geschädigt. Dies führt zu Lücken im
komplexen Netzwerk, die auch den Informationsaustausch zwischen noch intakten
Zellen beeinträchtigen. Dadurch kann der „Speicher" im Gehirn nicht
immer genügend Informationen aufnehmen. Bereits gespeicherte Informationen
können nicht mehr abgerufen werden.
Schließlich sterben die Nervenzellen in den betroffenen
Regionen ab, Dieser Vorgang zieht sich über längere Zeit hin. In dem Maße, in
dem die "Kabelschäden" zunehmen, leidet die Funktionsfähigkeit des
Gehirns. Im Laufe der Erkrankung wird das Denkorgan immer kleiner und leichter.
Je mehr der Schrumpfungsprozess fortschreitet, desto deutlicher zeigen sich
Beschwerden.
Wie wird die Diagnose gestellt?
Die Alzheimer-Krankheit zeigt sich bei jedem Betroffenen ein
wenig anders. Persönlichkeit, Sprachvermögen, körperliche Verfassung, auch
das Bildungsniveau zeichnen ein ganz individuelles Bild. Doch bei allen
Unterschieden gibt es typische Merkmale. Der Arzt wird sich im Gespräch mit
Ihnen und gegebenenfalls mit Ihrer Begleitung zunächst einen ersten Eindruck
verschaffen. Dann folgen so genannte psychometrische Tests, die Gedächtnis,
Sprach- und Reaktionsvermögen sowie die Fähigkeiten beim Umgang mit
Gegenständen überprüfen. Schließlich ist eine gründliche körperliche
Untersuchung notwendig, um abzuklären, ob andere Erkrankungen, beispielsweise
Fehlfunktionen der Schilddrüse oder Herzbeschwerden, vorliegen.
Spezielle Aufnahmen des Gehirns mit Computertomographie
(CT)
und Magnetresonanztomographie (MRT) können eventuell vorhandene
Durchblutungsstörungen oder Tumoren im Kopfbereich aufspüren.
Blutuntersuchungen geben Hinweise auf Entzündungen sowie Hormon- oder
Vitaminmangel.
Zur weiteren Diagnosestellung stehen dem Arzt mittlerweile
spezielle Untersuchungsmethoden zur Verfügung, mit denen
Stoffwechselveränderungen im Gehirn sichtbar gemacht werden können. Neu
entwickelte Verfahren wie Sngle-Photon- Emissions-Computertomographie (SPECT)
oder Positronen-Emissions-Tomographie (PET) zeigen auf, welche Partien des
Gehirns aktiv sind. Die Kombination verschiedener Methoden ermöglicht die
Diagnose der Alzheimer-Krankheit mit derzeit bis zu 90-prozentiger Gewissheit.
Wie ist der Verlauf der Alzheimer- Krankheit?
Die Alzheimer-Krankheit verläuft kontinuierlich. Es treten
keine Schübe auf, die den Fortgang beschleunigen. Man kann den Verlauf in drei
Phasen einteilen.
Das Anfangsstadium
Im Anfangsstadium sind die Symptome leicht und
oft kaum merklich. Es zeichnet sich vor allem durch leichte Gedächtnislücken,
Probleme bei der Wortfindung, Schwierigkeiten bei zeitlicher und örtlicher
Orientierung aus. Rechnen oder Schecks ausfüllen geht etwas langsamer.
Kompliziertere Tätigkeiten fallen schwerer oder können nicht mehr ausgeführt
werden, dazu gehört auch das gleichzeitige Erledigen mehrerer Aufgaben.
Gewohnte Handlungen wie Schuhe zubinden oder Krawatte knoten
misslingen öfters. Bekannte Personen werden verwechselt. Entschlüsse fallen
schwerer, die Urteilsfähigkeit lässt etwas nach. Das Zeitgefühl schwindet.
Datum und Uhrzeit sind oft nicht präsent. Die Uhr kann jedoch noch ohne
Probleme abgelesen werden. In fremder Umgebung fühlt sich der Betroffene nicht
seiten unwohl.
Der Gedanke quält, einfache Dinge nicht mehr zu beherrschen.
Oft versuchen Betroffene wortreich und liebenswürdig, ihre Defizite zu
verbergen. Andere werden mutlos oder niedergeschlagen, reagieren mit Scham, Wut
oder Angst. Im Großen und Ganzen kann der Alltag aber noch mit wenig Problemen
gemeistert werden.
Die mittlere Phase
Wenn die Symptome stärker werden, lassen sich die
Beschwerden nicht mehr verbergen. Die Krankheit wird deutlich sichtbar.
Selbständige Lebensführung ist kaum noch möglich, Unterstützung durch
Angehörige oder Pflegekräfte nötig. Die Kranken können Vergangenheit und
Gegenwart nicht mehr unterscheiden, vergessen die Namen vertrauter Personen. Die
Sprache wird schwer verständlich und die Kommunikation zunehmend schwieriger.
Anziehen oder Waschen geht nur noch mit Hilfe anderer. Auch
das Essen bereitet Schwierigkeiten. Die Betroffenen sind unruhig, wandern viel
herum, finden oft die Zimmer in der Wohnung nicht, außerhalb des Hauses
verirren sie sich leicht. Auch Sinnestäuschungen kommen vor, nicht vorhandene
Personen werden phantasiert, Gegenstände bekommen eine andere Bedeutung. Die
Kontrolle über Blase und Darm schwindet.
Obwohl jedoch der Verstand mehr und mehr nachläßt, bleiben
die Gefühle noch erhalten. Die Kranken reagieren auf unangenehme Empfindungen
mit Abwehr, auf liebevolle Zuwendung mit Freude.
Das dritte Stadium
Im dritten Stadium sind die Patienten vollkommen abhängig.
Das Gedächtnis versagt gänzlich, die Sprache beschränkt sich auf wenige
Worte. Angehörige werden nicht mehr erkannt. Auch einfache Handlungen wie Essen
und Trinken sind nur unter großen Mühen und mit fremder Hilfe möglich. Der
Gang ist schleppend und vornübergeneigt.
Die Orientierung ist völlig verloren gegangen. Blase und
Darm können nicht mehr kontrolliert werden. Es kommt zu Krampfanfällen und
Schluckstörungen. Bettlägerige Kranke sind von Infektionen bedroht. Durch
regelmäßigen Lagewechsel kann man Druckgeschwüren vorbeugen.
Welche Medikamente können helfen?
Wichtig ist, dass die medikamentöse Unterstützung erfolgt,
solange noch möglichst viele Nervenbahnen im Gehirn intakt sind. Das
Fortschreiten der Symptomatik wird im Frühstadium am effektivsten behindert.
Zwar lässt sich das Leiden nicht auf Dauer stoppen. Doch der erreichte
Aufschub bringt wertvollen Zeitgewinn mit mehr Lebensqualität, da
Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Konzentrationsvermögen sich verbessern können.
Klassische Medikamente
Medikamente zur Verbesserung der Hirnleistung sind die so
genannten Nootropika wie Piracetam und Nimodipin. Diese
Medikamente können durch Steigerung der zerebralen Durchblutung und des
Hirnstoffwechsels zu einer Verbesserung der Hirnleistung im Alter führen. Acetylcholinestaerasehemmer
wie Donezepil und Tacrin sollen die Abbau der Botenstoffe im
Gehirn bremsen. Memantin steigert wenigstens vorübergehend die geistige
Leistungsfähigkeit. Ein pflanzliches Antidementivum ist der Trockenextrakt aus Ginko-biloba-Blättern,
der zur symptomatischen Behandlung von hirnorganisch bedingten
Leistungsstörungen wie Gedächtnisstörungen, Konzentrationsstörungen und
depressiver Verstimmung dient. Antioxidantien (Radikalfänger) wie die
Vitamine A, C oder E sowie Selen werden als Schutzstoffe zur Vorbeugung
empfohlen, um den allgemeinen Zustand der Patienten zu verbessern. Die Bedeutung
dieser Stoffe ist jedoch noch nicht eindeutig geklärt.
Milderung von Begleitsymptomen
Gegen Niedergeschlagenheit, Angstzustände, Aggressivität,
Unruhe, Schlaflosigkeit, Sinnestäuschungen und Wahngedanken stehen bewährte
Medikamente zur Verfügung, die vom Arzt verordnet werden. Antidepressiva
heilen die Stimmung auf, Neuroleptika besänftigen bei Unruhe,
Wahnzuständen und Sinnestäuschungen, Anxiolytika lösen Angstzustände,
und Anti-Parkinson-Mittel erleichtern die Beweglichkeit. Keinesfalls sollte
der Patient aber „ruhig gestellt" werden. Er sollte vielmehr
Menschen, Dinge oder Situationen, an die er sich noch erinnern kann,
weitestgehend wahrnehmen können.
Welche Hilfen gibt es sonst?
Die Alzheimer-Krankheit verändert nicht nur
den Betroffenen, sie krempelt auch das Leben der gesamten Familie von Grund auf
um. Die Angehörigen kümmern sich nicht nur um die Pflege, sie müssen auch mit
oft großen psychischen Belastungen fertig werden. Die Erkrankung führt nicht
nur zum körperlichen Abbau, auch die Persönlichkeit des seit
langem vertrauten Menschen verändert sich immer mehr. Es tut weh, wenn der
geliebte Mensch sich täglich ein Stück weiter entfernt. Der Kranke reagiert
oft unfreundlich und aggressiv. Die vielleicht gehegten Pläne für ein
gemeinsames Altern sind nicht mehr zu verwirklichen. Bei pflegenden Kindern
können Rollenkonflikte auftreten. Es fällt schwer zu akzeptieren, dass
die Eltern in manchen Bereichen nur noch die Urteilsfähigkeit von Kindern
haben. Oft ist die Krankheit so weit fortgeschritten, dass eine ständige
Anwesenheit erforderlich ist, um die Patienten vor sich selbst zu schützen.
Meist führt dies zu einer Überforderung der ansonsten hilfsbereiten
Familie und ein Heimaufenthalt mit professioneller Pflege und Sorge ist
unausweichlich.
Wer mit diesen Problemen alleine fertig werden
muss, fühlt
sich oft hilflos und verzweifelt. Man fühlt sich hin und her gerissen, weil man
dem Angehörigen das weitere Wohnen zuhause ermöglichen möchte, und die
Anforderungen dafür zu gross werden. Oft kommt es zu Schuldgefühlen und
Vorwürfen innerhalb der Angehörigen. In einer sol-chen Situation ist es
ratsam, mit Menschen Kontakt aufzunehmen, die in derselben Lage stecken und die
Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung kennen. Allgemeines Wissen über die
Krankheit und spezielles Know-how zur Pflege bieten auch von den Krankenkassen
durchgeführte Kurse für Angehörige.
Selbsthilfegruppen
Gute Anlaufstellen für Erfahrungsaustausch und Beratung sind
Selbsthilfegruppen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V. unterhält in
vielen Städten örtliche Gruppen. Wer sich in der Pflege engagiert, braucht
auch selbst Hilfe, Anerkennung und Zuwendung. Hier ist die gegenseitige Stütze
in Selbsthilfegruppen besonders wertvoll. Man fühlt sich nicht mehr allein.
Betroffene können am besten verstehen, was es bedeutet, sich um einen
Alzheimer-Kranken zu kümmern.
Wenn man feststellt, dass auch andere von Schuldgefühlen
geplagt sind oder hin und wieder in peinliche Situationen geraten, fühlt man
sich schon gestärkt. Mit der Erfahrung, dass auch andere Fehler machen, wird
man gelassener und toleranter sich selbst gegenüber. In den Gesprächsrunden
mit anderen pflegenden Angehörigen kann man sich den Kummer von der Seele
reden, aber über lustige Vorfälle mit den kranken Schützlingen auch einmal
lachen. Man erhält Tipps, wie man alltägliche Schwierigkeiten bei Toilette,
Körperpflege, Ernährung oder den Gang außer Haus am besten bewältigen kann.
Auch bei Fragen zu Behandlungsmöglichkeiten, Hilfen durch
Sozialstationen, zu Pflegegeld oder eventuell notwendiger Heimunterbringung
können die Angehörigen vom reichen Erfahrungsschatz der Gruppe profitieren.
Eine wichtige Adresse für finanzielle Fragen sind die Krankenkassen und die
Pflegeversicherung.
Anlaufstellen für weitere Informationen und Adressen von
Selbsthilfegruppen in Ihrer Nähe:
-
Alzheimer-Hilfe, Postfach 7 08 33, 60599 Frankfurt,
Telefon 0180/3366633 (DM 0,18/Min.) wvvw.alois.de
| Zum Abschluss ein Ausspruch des Decimus
Junius Juvenalis (röm. Dichter, ca. 60 bis 140 n.Chr.):„
Sed omni membrorum damno maior
dementia, qui nec
nomina servorum nec vultum agnoscit amici cum quo praeterita cenavit nocte,
nec illos quos genuit, quos eduxit."
Schlimmer als alle körperlichen Gebrechen ist die
Demenz, bei der man
sich weder an die Namen der Sklaven erinnert noch an das Gesicht des
Freundes, mit dem man in der vergangenen Nacht gespeist hat, noch an die
Kinder, die man gezeugt und erzogen hat. |
Man sieht, Demenzerkrankungen sind keine Erscheinung des 21. Jahrhunderts.
Durch die längere Lebensdauer tritt sie nur häufiger auf.
Dies ist eine gekürzte und von mir
ergänzte Fassung einer von der Alzheimer-Gesellschaft herausgegebenen
Information für Betroffene und Angehörige.
Wenn Sie weitere
medizinische Fragen haben, wenn Sie sich bitte an den Stations- oder Hausarzt.
Links zu diesem Thema:
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